"Zucht" was bedeutet das für uns?
Wer kennt das nicht, man wählt einen Hund zunächst mal "nur" als Familienhund. Durch Züchter, Freunde, Bekannte oder Hundeschule wird man mit dem Thema Ausstellung oder Zucht konfrontiert.So ist es uns ergangen als wir unsren ersten Dalmatiner, CroDalmatin Black Jack, den Grundstein unserer Zucht bekamen.
Zuerst wird dieser Gedanke abgetan und verworfen doch der Keim ist gesät und unterbewusst beginnt man sich doch intensiv mit dem Thema Zucht auseinanderzusetzen.Was wäre wenn, sollte man, sollte man nicht? Pro/Kontra. Das waren die Gedanken die in unseren Köpfen kreisten und so machten wir den ersten Schritt, traten dem Österreichischen Dalmatinerclub bei und absolvierten mit Jacky die Voruntersuchungen, die Ausstellungen und die Zuchttauglichkeitsprüfung.
Die Zucht setzt ein hohes Maß an menschlichen Qualitäten und Selbstreflexion voraus, man muss ruhig, beherrscht und ausgeglichen sein um die täglichen Situationen die bei der Aufzucht auf einen zukommen meistern zu könenn und jegliche Form von Unruhe, Ängstlichkeit oder sogar Hysterie schadet einem selbst und überträgt sich sofort auf die Hundemutter und in weiterer Folge auf die Welpen.Dies bereits in der Zeit der Trächtigkeit.
Die Verpflichtung des Züchters beginnt, nach der Zuchtzulassung, mit der Wahl des richtigen Zuchtpartners und endet nicht mit der Abgabe der Welpen.
Wenn man Hunde züchtet, lernt man stets dazu, mit jeder Ausstellung, jeder Fortbildung, jedem Wurf und ganz wichtig mit jedem Austausch unter Zuchtkollegen erweitert man seinen Wissensschatz.Wir haben im Vorfeld diese Zeit intensiv genutzt um Kontakte und Freundschaften zu schließen, man hilft sich gegeneinander und es ist zu einem MIteinander über Landesgrenzen geworden.
Man muss sich aber auch die Frage stellen, ob man Enttäuschungen ertragen kann, denn bei der Aufzucht eines Wurfes wird man nicht nur Gutes erleben, man wird um sterbende Welpen trauern, mit genetischen Fehlern leben müssen, Neid und Missgunst erfahren und auch bei sorgfältigster Auswahl der Welpen Käufer werden menschliche Enttäuschungen einem nicht erspart bleiben.Das ist mit ein Grund warum uns das persönliche Kennenlernen im Vorfeld so wichtig ist und wir auch frühzeitig mit den Gesprächen beginnen. Nicht immer passt die Chemie oder die Lebensplanung mit unserer Wurfplanung überein und man muss sich dann acuh eingestehen das ein anderer Züchter für die Interessenten oder ein anderer Interessent für uns einfach besser passt. So ehrlich muss man dann auch sein.
Natürlich geht man davon aus das alles klappt und rund läuft, der Deckakt harmonisch und frei, die Trächtigkeit ohne Probleme und die Hündin die Geburt komplikationslos und instinktsicher meistert.
Doch was genau benötigt man zum Einstieg in die Zucht?
Alles beginnt mit einem verhaltenssicheren, rassetypischen und gesunden Hund, der die Grundvoraussetzungen der Zuchteignungsprüfungsordnung des ÖDaC erfüllt, um die Zuchtzulassung erlangen zu können.
Der Zuchtstätten Name sollte wohl überlegt und beantragt werden. Für uns war es wichtig das unsere Gegend miteinfließt und in einem anderen Blogthema bzw. beim A-Wurf ist der Zuchtstättenname "Von Chumbenzam" genauer erläutert.
Wenn man mit einer Hündin in die Zucht gehen möchte, muss man sich auch überlegen, ob man die zeitlichen Ressourcen mitbringt, die bei der Wurfaufzucht erheblich sind. In der Zeit der Geburt hat der Züchter unbedingt bei seiner Hündin zu sein, danach entstehen laufend Situationen, die die Anwesenheit des Züchters erforderlich macht, wie die Temperaturkontrolle bei der Mutterhündin als auch im Wurfraum / Wurfbox Gewichtskontrollen der Welpen, Hygienemaßnahmen im Wurfzimmer/ Wurfbox, wenn ein Welpe hinter die Mutter gekrabbelt ist und selbst nicht mehr hervorkommt und dies lautstark kundtut, eventuell ein zufüttern der Welpen erforderlich ist und und und.
Hat man die Räumlichkeiten zu Verfügung? Das Wurfzimmer sollte ein Ort in der vertrauten Umgebung sein aber genügend Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten für die Hündin bieten, bevorzugt im Wohnbereich/Haus. Für uns bedeutet dies 9-10 Wochen auf der Couch im Wohnzimmer zu verbringen in der Nähe der Mutterhündin und der Welpen sowie dem restlichen Rudel, den dies ist von Anfang an ebenfalls Teil der Aufzucht.
Mit ca. 3-4 Wochen wird ein Welpen Auslauf benötigt, welcher auch mit dem Alter der Welpen erweiterbar sein sollte, sowohl im Haus als auch im Freien. Der Garten wird in verschiedene Bereiche eingeteilt und immer wieder erweitert. Je größer/älter die Welpen werden, wird ihr Lebensraum angepasst und mit neuen Reizen sei es Untergründe, Tunnel, Rampen, Geräten usw ausgestattet. Menschen treten in ihr Leben und hinterlassen Gerüche und Eindrücke.
Die Welpenzeit ist, mit all den Aufgaben und den schönen Seiten, wie die ersten Pünktchen, das Öffnen der Augen und Ohren, die ersten tapsigen Schritte, jeden Tag wird etwas Neues entdeckt, eine Zeit, die wie im Fluge vergeht, der Auszug vor der Tür steht und die nächsten Tränen vergossen werden. Alle Welpen bekommen liebevoll vorbereitete Auszugspakete mit um den Einstieg in ihr neues Leben zu erleichtern.
Auch die finanzielle Seite darf man nicht außer Acht lassen, gerade beim ersten Wurf kommen einige Kosten auf einen zu allein durch den Ankauf der benötigten Dinge wie Wurf Box, Waage, Medikamente, medizinische Artikel aber auch die laufenden Tierarztkosten für den Progesteron Test, Ultraschall, Röntgen im Verlauf der Trächtigkeit, ev. Leerröntgen nach der Geburt, Gesundheitscheck der Mutterhündin und der Welpen beim Tierarzt, Entwurmung, Impfungen, Chip einsetzen, audiometrische Untersuchung der Welpen, Futter,……. Im Worst Case Fall ist ein Kaiserschnitt nötig oder die Mutterhündin oder Welpen erkranken, dies sind leider die Schattenseiten in der Zucht müssen jedoch auch vorab bedacht werden. Woraus sich auch neben den Futterkosten, Ausstellungen, Gesundheitsuntersuchungen, Prüfungsgebühren, Wurfeintragungen,...usw. die Kosten der Welpen ergeben.
Wenn man all diese Fragen für sich positiv beantworten kann, alle Vorgaben erfüllt hat, die Zuchtstätte beantragt wurde, der geeigneten Zuchtpartner auserwählt wurde, die Läufigkeit beginnt, kommt einer der schönsten Teile; das Einrichten und Vorbereiten des Welpenzimmers. Den auch das wird im Rahmen der Zuchtstättenabnahme durch die Zuchtwartin des ÖDaC kontrolliert, begutachtet und ev. Verbesserungsvorschläge getätigt.
Die Wurfbox ist meist eines der ersten Dinge die angeschafft wird. Hierbei ist darauf zu achten das sie gut zu reinigen und desinfizierbar ist, speichelfest da die Welpen gerne die mal "kosten
Die Wurfbox sollte individuell an die Hündin angepasst werden damit sie sich ohne Probleme bequem hinlegen und strecken kann, nicht zu groß da die Welpen unter Umständen weite Wege bis zur Futterquelle zurücklegen müssen und die Wärme schneller entweicht. Wenn sie zu klein ist, besteht eine höhere Gefahr das ein Welpe durch Platzmangel erdrückt wird. Ein Distanzrahmen sollte immer vorhanden sein um ein Einklemmen zwischen Wand und Hündin vermeiden zu können. Dieser sollte so hoch angebracht werden damit die Welpen auch bei zunehmender Körpermasse bequem darunter passen.
Manche Hündinnen lieben den Höhlen-Charakter und dieser kann mit Hilfe eines Betthimmels geschaffen werden, ein weiterer Vorteil ist auch das die Wärme dadurch nicht so schnell entweichen kann und in der Box bleibt. Fleur liebt ihren Betthimmel und fühlt isch so richtig wohl in der Wurfbox, genießt aber auch die Auszeit auf der Couch. Immer ein Ohr wachsam bei den Welpen auch wenn man der Meinung ist das sie tief und fest schläft entgeht ihr nichts.
Das Welpenzimmer sollte so eingerichtet werden das man während der Geburt und auch dann immer alles rasch zu Hand hat, die Welpen jedoch nicht drankommen. Wichtig ist auch ein Platz für die Hündin, wo sie sich zurückziehen kann, dieser sollte erhöht sein oder sie auch den Welpenauslauf verlassen kann, und die Welpen trotzdem im Blickfeld hat. Diese sollten immer vor Zugluft geschützt sein.
Der Welpenauslauf sollte so konzipiert werden das die Welpen sich frei bewegen können, geschützt vor möglichen Gefahren sind aber die Möglichkeit haben sich mit unterschiedlichen Gründen auseinanderzusetzen, sich zurückziehen und spielerisch die Welt zu erkunden. Er sollte hell, freundlich und auch leicht zu reinigen zu sein, den noch sind die Welpen nicht in der Lage ihre Körperfunktion kontrollieren zu können.
Weiters sollte er mit Spielgeräten ausgestattet sein, welche an das Alter der Welpen angepasst ist und der Schwierigkeitsgrad stetig gesteigert werden kann. Die Sozialisierung beginnt ca. in der 3 Lebenswoche und endet zwischen der zwölften und vierzehnten Lebenswoche. In dieser Zeit entwickeln die Welpen enorm wichtige Bindungen im Rudelgefüge und gehen auch leichte Bindungen mit dem Menschen ein. Sie sollten langsam an Alltagsgeräusche gewöhnt werden wie das Staubsaugen, Radio, Fernseher, ein Gegenstand, der runterfällt,….Wichtig ist hierbei auf jeden Welpen einzeln zu achten, wenn sich der ein oder andere gar nicht mehr beruhigen lässt war es für ihn schon zu viel. Reizüberflutung und Stress ist nicht förderlich, ein gesundes Mittelmaß ist erforderlich eine Isolierte Aufzucht ein NO GO!
